Im Land der Geysire lebt es sich ganz angenehm. Das zeigt einmal mehr der «Gläserne-Decken-Index» des britischen Wirtschaftsmagazins «The Economist». Die gläserne Decke ist, was Frauen bei der Emanzipation im Wege steht: im Job, in der Politik, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie usw. Und in Island ist diese Decke viel durchlässiger als anderswo. Das OECD-Staaten-Rating zeigt das Land der Elfen und Trolle auf Rang eins. Dicht darauf folgen Schweden, Norwegen und Finnland.
In Island sitzen im nationalen Parlament 47,6 Prozent Frauen. Die Isländerinnen haben 16,6 Wochen bezahlt mutterschaftsfrei, die Isländer 8,3 Wochen vaterschaftsfrei. Und in Island halten die Frauen 41,2 Prozent aller Managementpositionen. Doch damit nicht genug: Jetzt will Islands Sozialminister Thorsteinn Viglundsson auch noch Schluss machen mit der Lohndiskriminierung der Frauen. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, verkündet der Mann: «Die Zeit ist reif, um etwas Radikales zu unternehmen.» Weil die Firmen es nicht freiwillig hinbrächten, müssten sie jetzt per Gesetz zur Lohngleichheit verpflichtet werden.

PANZERGLAS. Island segelt allen andern davon. Insbesondere dem Land der Banken und Kühe. Im Rating des «Economist» duckt sich die Schweiz auf dem 26. Platz. Von 29 Plätzen. Knapp vor der Türkei, Japan und Südkorea. Die Schweiz fällt fast überall negativ auf. Nicht nur im Vergleich zu Island, sondern auch gegenüber dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Bei Mutter-/Vaterschaftsurlaub, bei der Lohnungleichheit, beim Fehlen von Kaderfrauen, aber vor allem: bei den hohen Kosten für die Kinderbetreuung.
Das Land mit der höchsten Millionärsdichte der Welt leistet sich eine Glasdecke aus Panzerglas. Und so müsse es auch bleiben, findet die rechte Mehrheit im Bundeshaus. Von griffigen Massnahmen gegen die Lohndiskriminierung will sie nichts wissen. Wo kämen wir da hin!

PUSSYPOWER. Wir können nicht schweigen: We can’t keep quiet. Das ist der Slogan der neuen Frauenbewegung gegen Trump und andere Frauen- und Fremdenfeinde. Die pinkige Pussypower-Bewegung rollt jetzt auch durch die Schweiz.
Am 8. März war der erste Streich. Ihr zweiter folgt sogleich: mit dem Frauenmarsch am 18. März in Zürich, den auch die Unia unterstützt. Ein Marsch gegen gläserne Decken und Mauern.

work, 16.03.2017