Uber betreibt Sozialdumping, verleitet die Fahrer zu illegalem Tun und zahlt kaum Steuern. Trotzdem arbeiten die Post und der Kanton Basel-Stadt weiter mit dem Dumpingfahrdienst zusammen. Von Christian Egg (Foto: KEYSTONE)

Es war ein wichtiger Teilsieg der Gewerkschaften: Die SBB kippen den Dumpingtaxidienst Uber aus ihrer neuen Reiseplaner-App. Uber habe «offene Fragen» nicht geklärt, so die SBB.Weiter an Uber festhalten will dagegen die Post mit ihrer App «Nordwestmobil » im Grossraum Basel. Mitverantwortlich ist auch der Kanton Basel-Stadt, denn der Tram- und Busbetrieb BVB, der zu hundert Prozent dem Kanton gehört, ist Partner bei «Nordwestmobil».



Geschäft vermiest: Die ordentlichen Taxichauffeure, die Sozialabgaben bezahlen, leiden massiv unter der Dumpingplattform Uber.

UNSOZIAL. Auf Anfrage von work verteidigt der Kanton die Teilnahme von Uber an der App: «Ob Uber sich gesetzeskonform verhält oder nicht, ist Gegenstand von hängigen Verfahren.» Zudem sei auch ein konventionelles Taxiunternehmen in der App vertreten. Auch bei Postauto erklärt Sprecher Urs Bloch, in der «Pilotphase» wolle man weiter mit Uber zusammenarbeiten. Immerhin ein Hintertürchen zum Einstieg in den Uber- Ausstieg lässt sich die Post offen: In einer nationalen Mobilitäts-App, für diesen Herbst geplant, «werden wir die Zusammenarbeit mit Uber überprüfen», sagt er zu work. Roman Künzler, Uber-Spezialist bei der Unia, ist damit nicht zufrieden: «Die Post und der Kanton Basel- Stadt handeln verantwortungslos. Sie unterstützen das illegale und unsoziale Gebaren von Uber.»
Die Liste der Vorwürfe und Skandale bei Uber wird immer länger:

- Sozialdumping: Uber zahlt für die Fahrerinnen und Fahrer keine Sozialabgaben. Sie seien selbständig. Doch laut der Suva ist das nicht haltbar, Uber sei ein normaler Arbeitgeber. Uber weigert sich, den Suva-Entscheid umzusetzen.

- Anstiftung zu illegalem Personentransport: In den letzten zwei Jahren hat die Polizei bereits über 500 Uber-Fahrerinnen und -Fahrer verzeigt, weil sie illegal gewerbsmässig Personen chauffierten.

- Steuertricks: Uber bezahlte 2014 nur gerade 2924 Franken Steuern, bei einem geschätzten Umsatz von 14 Millionen, das schreibt die «Sonntagszeitung».

- Sexismus: Ein interner Bericht enthüllt Sexismus, Diskriminierung, Mobbing, Pöbeleien. Uber entlässt 20 Mitarbeitende. Am 21. Juni muss auch Uber-Chef Travis Kalanick gehen.

- Schweiz-Chef weg: Auch der Schweiz-Chef Rasoul Jalali verlässt Uber. Er wechselt zu einer Firma, die «neue, digitale Geschäftsmodelle » aufbauen will.

- Geldvernichtung: Uber macht pro Jahr rund 2 Milliarden USDollar Verlust. Gemäss dem Finanzblog «Naked Capitalism» decken die Fahrtarife nur 41 Prozent der Kosten. Der Rest kommt von den Investoren. Wie lange noch?

work, 29.06.2017