Wir sind gesünder und leben länger als unsere Urgrosseltern. Das ist sehr erfreulich. Die bürgerliche Politik macht uns diesen Fortschritt jedoch madig: Weil wir gleichzeitig weniger Kinder haben, würden wir diesen im Alter auf der Tasche liegen. Die demografische Alterung belaste die nachfolgenden Generationen, heisst es jeweils etwas vornehmer.
Durch die Brille des Ökonomen gesehen, wird diese Aussage allerdings relativiert. Die Marktkräfte tragen selber zur Lösung des Problems bei:
> Weil Arbeitskräfte künftig gesuchter sein werden, können unsere Kinder mit mehr Lohn rechnen. Gleichzeitig sinkt die Gefahr, arbeitslos zu werden. Unsere Kinder werden mehr Einkommen haben.
> Unsere Kinder werden von unseren Investitionen in Infrastruktur und Wohnungen profitieren. Weil heute die Bevölkerung wächst, müssen jährlich über 40000 Wohnungen gebaut werden. Wenn in Zukunft die Bevölkerung abnimmt, gibt es mehr Wohnungen für unsere Kinder. Es bleibt ihnen mehr Geld für das tägliche Leben.
> Wegen den höheren Löhnen und der grösseren Sicherheit der Arbeitsplätze werden Frühpensionierungen weniger attraktiv. Das entlastet die Sozialwerke.
> Unsere Pensionskassen haben viel Geld im Ausland angelegt. Mit diesem Kapital arbeiten rund 500000 Beschäftigte im Ausland. Die Erträge fliessen als Renten in die Schweiz. Das entlastet die Beschäftigten im Inland.

IN JUNGE INVESTIEREN. Doch der Markt löst nicht alle Probleme. Um die Einkommen und Renten von morgen zu sichern, sind die Investitionen in die Jungen von heute entscheidend. Das heisst: Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, Investitionen in die Aus- und Weiterbildung sowie Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz.
Es ist bemerkenswert: Jene, die sonst das Hohelied des Marktes singen, vergessen den Markt, wenn es um die Altersvorsorge geht. Das kommt nicht von ungefähr. Die Sozialversicherungen sorgen für einen Ausgleich zwischen Reich und Arm. Das ist vielen Bürgerlichen ein Dorn im Auge. Darum beschwören sie das Demografieproblem: um die Sozialleistungen zu kürzen oder zu begrenzen. Beispielsweise über eine Erhöhung des AHV-Alters.


Daniel Lampart ist Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

work, 20.05.2010