Die Pariserinnen und Pariser liebten schon immer ein kühles Blondes. Zwischen 1865 und 1893 schlugen die Unterwalliser Bauern das Eis des Trientgletschers und karrten die grossen Eisbrocken mit Schlitten und Kutschen nach Martinach VS. Dort wurden sie Richtung Paris verladen. An der Seine kühlte das Unterwalliser Eis die Bierkeller der aufkommenden Brasserien.

GROSSE SPEICHER. Wer einen Kubikmeter Wasser um 1 Grad erwärmen oder abkühlen will, muss dem Wasser etwa eine Kilowattstunde Wärme zuführen oder entziehen. Deshalb braucht es grosse Warmwasserspeicher, wenn man die Wärme des Sommers in den Winter hinüberretten will. Die besten baut der Berner Josef Jenni.
Anders sieht es aus, wenn man aus Wasser Eis oder aus Eis Wasser machen will. Hier schlägt Quantität in Qualität um, wie Marx und Engels in ihren dialektischen Betrachtungen trennscharf bemerkt haben. 1 Grad warmes Wasser und minus 1 Grad kaltes Eis haben je verschiedene Eigenschaften. Um aus Wasser Eis zu machen und umgekehrt, muss man dem gefrierenden oder aufzutauenden Wasser pro 1000 Kilo je rund 80 Kilowattstunden Wärme entziehen oder zuführen.
Andersherum: Um aus Eis Wasser zu machen, brauche ich gleich viel Energie, wie um das Wasser von 0 auf 80 Grad zu erwärmen. Deshalb schafften die Eisbrocken des Trientgletschers den Weg in die Pariser Brauereien, ohne ganz wegzuschmelzen.

KÜNSTLICHE GLETSCHER. Genau diesen Effekt macht sich die Firma Isocal im deutschen Friedrichshafen mit ihrem Solar-Eis- Konzept zunutze. Das Prinzip: gasbetriebene Wärmepumpen entziehen dem Wasser im Winter Wärme, bis dieses Wasser in unterirdisch angelegten Speichern zu Eis erstarrt. Und mit diesem Eis werden im Sommer Wohnungen, Büros und Gewerbebetriebe sanft klimatisiert. Zusätzlich machen solare Luftkollektoren das System noch umweltfreundlicher.
Die Vorteile: Dank Wärmepumpe, Eisspeicher und Luftkollektoren braucht man bis zu 50 Prozent weniger Gas. Und dank dem Eis im Keller bekommt man erst noch die Kühlung in den immer wärmer werdenden Sommern fast gratis. Für Einfamilienhäuser soll die Rechnung, verglichen mit Wärmepumpen samt Bohrungen, bereits aufgehen. Diese Technik steckt noch am Anfang. Aber sie hat Potential. Wärmepumpen können und müssen effizienter werden. Und statt relativ teurer, erdverlegter Eisspeicher wären vielleicht auch künstliche städtische Gletscher sinnvoll.
Warten wir ab, was die Rosa Zukunft in diesen und den kommenden, heisser werdenden Sommern so alles mit sich bringt.


www.isocal.de Das Unternehmen Isocal versucht das Prinzip der Eisbauern vom Trientgletscher umgekehrt zu nutzen: Dank Eiskellern warme Stuben im Winter und kühle Büros im Sommer. Und dies mit der Hälfte des bisherigen Energieaufwandes.

http://3.ly/trient Der Unternehmer Maurice Roubtel beschäftigte in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts bis zu 30 Arbeiter. Sie sprengten die Eisbrocken aus dem Gletscher und liessen sie in Holzrinnen zu Tale sausen.

http://3.ly/brasse 1870 besetzten die Deutschen das Elsass. Viele Elsässer flohen ins nahe Paris. Und eröffneten dort ihre Brasserien. Mit gebrautem und gekühltem Bier dank Schweizer Eis.

www.jenni.ch Josef Jenni ist Berner EVP-Grossrat. Er wurde am 28. März dieses Jahres mit 4276 Stimmen wiedergewählt. Den Sprung in den Nationalrat schaffte er bisher nicht. Umso erfolgreicher ist er als Unternehmer. Zusammen mit seinen Mitarbeitenden baut er solare Wasserspeicher. Seine Solartanks sind das Beste, was es auf dem Markt gibt.

http://3.ly/workwasser Wie viel Energie braucht man, um Wasser oder Eis zu erwärmen oder zu kühlen? Und um aus Eis Wasser zu machen oder umgekehrt? Hier finden die Alltagsdialektiker die richtigen Formeln.

http://3.ly/diakon Der Mensch arbeitet produktiver, wenn die Temperaturen am Arbeitsplatz nicht mehr als 21 bis 22 Grad betragen. In Deutschland darf aufgrund der Arbeitsstättenrichtlinie die Temperatur auf keinen Fall mehr als 26 Grad betragen. Die Gewerkschaft «Kirche und Diakonie» empfiehlt ihren Mitarbeitern: «Messen Sie die Temperatur an Ihrem Arbeitsplatz, wenn sie Ihnen zu heiss erscheint.» Produktiver arbeiten für das Paradies auf Erden.

work, 1.07.2010