Meine Partnerin und ich wollen ein Haus kaufen, das aber noch nicht gebaut ist. Der Architekt ist bereit, uns das Haus zu reservieren, will aber für die Reservation 30 000 Franken. Der eigentliche Kaufpreis wird dann in Raten fällig, sobald wir den Vertrag unterzeichnet haben. Dafür wollen wir das Geld beziehen, das meine Frau in der Pensionskasse angespart hat. Nun frage ich mich: Kann ich auch das Geld für die Reservation bereits aus der zweiten Säule beziehen?

Philip Thomas: Nein. Denn eine Reservation bedeutet nicht zwingend, dass Sie das Haus auch tatsächlich kaufen. Und das ist aus folgendem Grund ein Problem: Kapital aus der zweiten Säule, die sogenannten Freizügigkeitsleistungen, dürfen Sie nur vorbeziehen oder verpfänden für «Wohneigentum zum eigenen Bedarf». Also nur für Wohnraum, den Sie als versicherte Person persönlich nutzen oder in dem Sie sich gewöhnlich aufhalten.
Das bedeutet, dass ein Vorbezug von Geldern aus der beruflichen Vorsorge nur möglich ist, wenn wirklich sicher ist, dass Sie das Geld tatsächlich für selbstgenutztes Wohneigentum brauchen. Sie müssen mit entsprechenden Unterlagen den Kauf nachweisen können.
Käufer wie auch Verkäufer können jedoch von einer Reservation jederzeit zurücktreten, der Hauskauf ist also nicht definitiv. Erst wenn der Kaufvertrag unterzeichnet und der Grundbucheintrag erfolgt ist, können Sie sich von Ihrer Pensionskasse einen Vorbezug auszahlen lassen. Bis dahin müssen Sie die 30 000 Franken von Ihrem Ersparten bezahlen oder anderweitig beschaffen.

work, 30.03.2017