Die rechten Gegner der Energiestrategie 2050 behaupten unter anderem, die Reduktionsziele für die Schweiz beim Energie- und CO2-Verbrauch seien viel zu ehrgeizig. Sie seien nur mit drastischen Regulierungsmassnahmen oder viel zu teuren Fördermassnahmen zu erreichen. Tatsächlich aber ist der Endenergieverbrauch bereits in den letzten Jahren rückläufig und nach einem zwischenzeitlichen Anstieg ungefähr wieder auf das Niveau von 1991 /1992 gesunken. Und dies, obwohl die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 1,5 Millionen Menschen zugenommen hat. Und damit auch die Anzahl Gebäude, Fahrzeuge, gefahrenen Kilometer usw.

MINUS 18 PROZENT. Pro Kopf der Bevölkerung bedeutet das einen Rückgang von fast 18 Prozent in 25 Jahren. Dabei ist der Verbrauch vor allem in den letzten 10 Jahren gesunken, um rund 14 Prozent. Bundesrat und Parlament möchten mit der Energiestrategie den Verbrauch bis 2020 um 16 Prozent senken im Vergleich mit dem Jahr 2000. Das ist praktisch schon jetzt erreicht. Deshalb wurde die Vorlage von links ja auch als zu wenig ehrgeizig kritisiert. Bis 2035 soll dann der Verbrauch um 43 Prozent reduziert werden, auch das scheint aufgrund der heutigen Zahlen durchaus machbar. Am rückläufigen Verbrauch der letzten Jahre dürften die verbesserte Wärmedämmung der Gebäude und der Einsatz effizienterer Technologien in der Industrie und in den Haushalten einen grossen Anteil haben. Das sieht man am stark rückläufigen Verbrauch von Erdölbrennstoffen, einem Energieträger, der besonders viel CO2 in die Atmosphäre ausstösst. Der Verbrauch von Erdölbrennstoffen hat sich ziemlich genau halbiert.

SCHWEIZ KANN’S BESSER. Dafür hat sich der Verbrauch von Treibstoffen und Elektrizität erst in den letzten Jahren etwas abgeschwächt, der Anteil des Atomstroms ist aber bereits deutlich gesunken. Etwa verdreifacht hat sich der Energieverbrauch bei den erneuerbaren Energieträgern Sonne, Wind und Biogas. Mit einem Anteil von 2,6 Prozent liegt die Schweiz hier aber weit hinter anderen Ländern zurück. Mit der Energiestrategie 2050 müssen deshalb vor allem diese Energieträger gefördert werden. Die angestrebte Energiewende wird so ein realistisches, erreichbares Ziel.


Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

work, 11.05.2017