Was sollte in einem Arztzeugnis stehen? Und wann darf mich meine Chefin zur Vertrauensärztin schicken? Die Antworten von A bis Z. Von Sina Bühler (Icons: ISTOCK)

ARBEITSUNFÄHIG. Wenn Sie wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten können, also arbeitsunfähig sind, müssen Sie nicht ins Büro oder in die Werkstatt. Sie sollten aber sofort Ihren Vorgesetzten Bescheid geben und sich ein Arztzeugnis besorgen, falls das gewünscht ist. Üblich ist ein Zeugnis, wenn Sie drei Tage oder länger arbeitsunfähig sind, Ihre Firma kann aber auch sofort eines verlangen. Bei einem Unfall sollten Sie sich ohnehin um ein Zeugnis bemühen. In den meisten Fällen übernimmt die Versicherung Ihrer Firma die Unfallkosten.



BETTLÄGERIG. Dass Sie krank geschrieben sind, bedeutet nicht zwingend, dass Sie zu Hause im Bett liegen müssen. Je nachdem, was Sie haben, ist es vielleicht sogar sinnvoll, dass Sie sich bewegen. Um eventuelle Probleme mit den Vorgesetzten zu vermeiden, sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt in einem solchen Fall in Ihr Zeugnis schreiben, dass die Bewegung als therapeutische Massnahme empfohlen sei.

KÜNDIGUNGSSCHUTZ. Wenn Sie arbeitsunfähig sind, darf Ihnen der Arbeitgeber während einer bestimmten Zeit nicht kündigen. Genauso wenig, wenn Sie schwanger sind. Kündigt Ihnen der Chef vor der Arbeitsunfähigkeit, so unterbricht sich die Kündigungsfrist für eine bestimmte Zeit, für die sogenannte Sperrfrist. Diese beträgt im ersten Dienstjahr 30 Tage, vom zweiten bis fünften Dienstjahr 90 Tage und ab dem sechsten Jahr 180 Tage. Erst nach Ablauf dieser Zeit läuft die Kündigungsfrist weiter. Zwei Ausnahmen gibt es: Wenn Sie noch in der Probezeit sind oder einen befristeten Vertrag haben, gilt keine Sperrfrist.

LOHNFORTZAHLUNG. Wenn Sie länger als drei Monate angestellt sind und krank werden, bekommen Sie vom Betrieb weiterhin den Lohn bezahlt, auch wenn Sie längere Zeit ausfallen. Viele Firmen haben für solche Fälle für ihre Angestellten eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen. Diese zahlt bis zu zwei Jahre lang Lohnersatz. In den meisten Fällen sind das 80 Prozent Ihres Lohnes. Gibt es keine solche Versicherung, zahlt der Betrieb selbst. Dann hängt die Lohnfortzahlungspflicht von Ihren Dienstjahren ab und vom Ort, an dem ein Gericht arbeitsrechtlich für Sie zuständig wäre. Denn es gibt drei verschiedene Lohnfortzahlungstabellen: die Zürcher Skala, die Basler Skala sowie die Berner Skala.

TEILZEIT. Vor allem Teilzeitangestellte sind sich oft unsicher, wenn sie nicht voll, sondern nur zu einem gewissen Grad krank geschrieben sind, beispielsweise zu 50 Prozent. Bedeutet es, dass Sie nur die Hälfte Ihres üblichen Pensums arbeiten können? Oder heisst es, Sie müssen die Hälfte eines vollen Pensums arbeiten? Am besten bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, dies im Zeugnis klar zu beschreiben. Wenn Sie während einer teilweisen Arbeitsfähigkeit gewisse Arbeiten nicht erledigen dürfen, sollte das auch klar im Zeugnis stehen.



UNFALL. Der obligatorischen Versicherung für Arbeitsunfälle – und dazu gehören auch Unfälle auf dem Arbeitsweg – unterstehen alle Arbeitnehmenden. Doch nur wenn Sie mindestens acht Stunden in der Woche arbeiten, sind Sie via Arbeitgeber auch gegen Nichtberufsunfälle versichert. Denken Sie daran, wenn Sie Ihr Pensum reduzieren oder ganz kündigen. In diesem Fall brauchen Sie nämlich eine private Unfallversicherung. Diese können Sie für wenige Franken im Monat bei Ihrer Krankenkasse abschliessen.

VERTRAUENSARZT. Die Diagnose darf nicht im Arztzeugnis stehen, das gehört zum Berufsgeheimnis. Das heisst, Ihre Ärztin darf dem Arbeitgeber auch auf Nachfrage hin keine Details zu Ihrer Arbeitsunfähigkeit bekanntgeben. Er darf im Zeugnis nur erwähnen, ob eine Krankheit oder ein Unfall die Ursache sei. Was ebenfalls klar ersichtlich sein muss, ist die Dauer und der Grad Ihrer Arbeitsunfähigkeit. Es kann sein, dass Ihre Chefin, Ihr Chef Sie noch zusätzlich bei einem Vertrauensarzt medizinisch untersuchen lassen will. Das ist dann erlaubt, wenn berechtigte Zweifel an der Richtigkeit eines Arbeitszeugnisses bestehen. Die Kosten dafür muss die Firma tragen. Auch Vertrauensärztinnen unterstehen dem ärztlichen Geheimnis. Das heisst, auch ein Vertrauensarzt oder eine Vertrauensärztin bestätigt gegenüber ihrem Arbeitgeber lediglich, ob Sie tatsächlich arbeitsunfähig sind.


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Unsicherheiten
DIE UNIA WEISS RAT

Wenn Sie Fragen zu Ihrer Arbeitsunfähigkeit haben, von Ihrer Firma zur Unzeit die Kündigung erhalten haben oder wegen einer Krankheit keinen Lohn mehr bekommen, sollten Sie sich dringend bei Ihrem zuständigen Unia-Sekretariat Unterstützung holen. Die Adressen finden Sie unter www.unia.ch. Für Mitglieder ist die Rechtsberatung kostenlos.

work, 11.05.2017