Die Post in der Schweiz geht den Weg des geringsten Widerstands und praktiziert den Kahlschlag, anstatt in wegweisende Technologien zu investieren. (Foto: Deutsche Post)

Die Schweizer Post geht inzwischen vielen auf den Keks. Flächendeckend werden Poststellen eingedampft. Neu müssen immer mehr Gemeinden zuerst die Dorfläden querfinanzieren und kurz darauf auch die Postagenturen in ihren Dorfläden betreiben.

DIGITAL, DEZENTRAL. Zugegeben: Wir alle schreiben und bekommen weniger Briefe. Umgekehrt nimmt die Flut der Pakete wieder zu. Weil zu viele von uns immer mehr über das Internet bestellen. Und erst noch einen schönen Teil der bestellten Waren retournieren. Die Arbeit geht den Pöstlerinnen und Pöstlern nicht aus, aber sie verändert sich. Mehr schwere Pakete, weniger federleichte Überseebriefe. Alle reden davon, dass man in der Zukunft auch zu Hause arbeiten könne. Home-Office ist das Stichwort. Warum in aller Welt können multifunktionale Postbeamtinnen und -beamte nicht in den von Stilllegung bedrohten Poststellen zwischendurch in ruhigen Zeiten digitale Arbeiten für das Unternehmen Post erledigen? Oder den künftigen, sich selbst steuernden Elektro- Fuhrpark der Post vor Ort betreuen?
Projekttitel: digitale, dezentrale und mobile Post. Ist natürlich mit Aufwand und Weiterbildung verbunden, aber mit Arbeit, die sich zugunsten der Randregionen, kleiner Gemeinden und der betroffenen Quartiere lohnen würde. Umso mehr, als sich die Post überall an guten Lagen befindet.
Noch gehen der Verwaltungsrat und das Management der Post den Weg des geringsten Aufwandes. Hunderte von Poststellen werden geschlossen, und neu müssen wir unsere eingeschriebenen Briefe beim von der Gemeinde subventionierten Volg aufgeben und abholen.
Die Gewinne für die Post, die Kosten für die Gemeinden und der Schaden für die Steuerzahlerinnen und Konsumenten. So haben sich das viele eigentlich nicht vorgestellt.



WENDIG: Ein Streetscooter der Deutschen Post in freier Wildbahn.

UMWELTFREUNDLICH. Wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu. Die Universität Aachen, gelegen in der Nähe von Würselen, der Heimatstadt des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, ist in Sachen Elektromobilität eine Schrittmacherin. Ein von der Deutschen Post übernommenes Start-up produziert erfolgreich Elektrotransporter. Nicht nur für die Deutsche Post, sondern auch für Private, die zum Beispiel tiefgefrorene Meeresfische mittels der umweltfreundlichen Streetscooter der ersten Generation zum Kunden karren.
Bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgt der zweite Paukenschlag: Auf der Basis des Kleintransporters Ford Transit will Streetscooter einen Lieferwagen mit 20 Kubikmetern Ladevolumen und mit einer unveränderten Reichweite von 80 Kilometern anbieten.

80 KILOMETER. Alle Leserinnen und Leser, die auf dem Bau arbeiten, wissen: Die meisten Lieferwagen legen pro Tag nie und nimmer 80 Kilometer zurück. Und auf jeder Baustelle hat es zudem Baustrom zum Nachladen. Genau auf dieses Marktsegment hat es die Deutsche Post mit der Universität Aachen im Rücken abgesehen. Die Produktionsweise: Streetscooter kauft fertig entwickelte Komponenten Dritter. Das Chassis neu bei Ford. Der gesamte Antriebsstrang kommt von Bosch. Ohne Betrugssoftware. Batterien werden nicht zu viele eingebaut, damit man genügend Kilo zuladen kann und die Preise sich rechnen.
Die Streetscooter sollen dezentral produziert werden. Um so Arbeit vor Ort zu schaffen. Und unnötig lange Transportwege zu vermeiden. Somit alles anders als bei der traditionellen Autoindustrie. Und somit alles in allem ein spannendes Modell. Wir bleiben dran.

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Links zum Thema:

www.streetscooter.de
Die Website des Unternehmens könnte etwas aktueller und informativer sein.

rebrand.ly/deutschepost
Die Deutsche Post will möglichst schnell alle ihre 50 000 Fahrzeuge auf Elektroantrieb umstellen. In den eigenen Fabriken sollen bereits nächstes Jahr 20 000 Fahrzeuge produziert werden.

rebrand.ly/managermagazin
Für das deutsche «Manager-Magazin» ist offen, ob die ganze Sache nicht doch floppt.

rebrand.ly/e_go
Ein Video erklärt, wie Industrie 4.0 im dezentralen Autobau funktioniert.

work, 29.06.2017