In Deutschland weckt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Hoffnungen. Würde eine Regierung Schulz das Problem Energiewende angehen? Ein Schweizer ETH-Professor hätte da eine Idee.

In Deutschland scheint sich politisch einiges zu bewegen. Mit Martin Schulz als SPD-Kandidaten fürs Kanzleramt kommt die Partei aus ihrem Umfragetief. Zumindest vorerst. Eine rot-rot-grüne Koalition scheint plötzlich möglich.
Viele fragen sich, warum. Machte Martin Schulz bisher eine andere Politik als Parteikollege Sigmar Gabriel, der kürzlich sein Amt als SPD-Chef niedergelegt hat? Hat Schulz nicht brav die Agenda 2010 von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder mitunterstützt? Diesen unsozialen Angriff auf das deutsche Sozialsystem? Warum fehlen von Schulz bisher konkrete Vorschläge? Etwa in Sachen Europapolitik, wo er doch lange in Brüssel war.

SCHULZ PUNKTET. Das Phänomen Schulz hat mehrere Ursachen: Schulz redet so, dass man ihn versteht. Er kommt aus der Kleinstadt Würselen. Sein Vater war Polizist, seine Mutter Hausfrau. Er wollte Profifussballer werden und begann nach dem Platzen dieses Traums zu saufen. Martin Schulz bekam als Buchhändler eine zweite Chance, die er genutzt hat. Die Mehrheit der deutschen Frauen und Männer lebt in Kleinstädten oder auf dem Land. Sie mögen Polizisten, deren Söhne, den Fussball und kennen die Freuden und Gefahren des Biertrinkens. Der Spitzenkandidat der SPD fordert mehr soziale Gerechtigkeit. Ohne bisher das Genaue zu pflegen.
Vielleicht ist das genau die Mischung, die es braucht, um Kanzler zu werden. Spätestens nach der Wahl müsste eine rot-rot-grüne Regierung mehr als eine heisse Frage lösen: Was macht Deutschland, wenn die Exporte einbrechen? Ist eine Regierung Schulz bereit, die Maastrichter Kriterien zukunftsgerichtet zu verschrotten, die EU-Staaten also aus dem Würgegriff der Sparprogramme zu erlösen? Und wie löst die Regierung Schulz das Problem der Energiewende?



James Bond und der Furkapass: Im Bild das Hotel Belvédère. Der Gletscher ist weg, das Hotel zu. Genau hier möchte ein ETH-Professor eine Staumauer hinter dem ersten künstlichen Gletscher der Welt verstecken. Bild aus «Goldfinger», 1965

DUNKELFLAUTEN. Heute beträgt der Anteil der neuen erneuerbaren Energie in Deutschland bereits 27 Prozent. Fünf Mal mehr als in der Schweiz.
Tendenz weiter steigend. Im Gegensatz zur Schweiz haben die Deutschen aber verdammt wenig Speicherkapazität.
Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst, produzieren alternative Energien zu wenig Strom. Dann kann es zu Dunkelflauten kommen. Das Wort müssen wir uns vermutlich alle merken.
Auf der Website Makroskop des deutschen keynesianischen Ökonomen Heiner Flassbeck tobt zurzeit eine Debatte, was die Deutschen angesichts drohender Dunkelflauten machen können. Der Lausanner ETH-Professor Anton Schleiss präsentiert Zahlen und hat eine Idee:

  • In den Schweizer Stauseen kann man 18,4 Milliarden Kilowattstunden Strom speichern. Die Wasserkraftwerke verfügen über eine Leistung von 14 Gigawatt.

  • Die bereits installierte hohe Leistung der Wasserkraftwerke kann man massiv erhöhen. Genauso wie das Speichervolumen.

  • Je mehr Europa in Richtung neue erneuerbare Energien geht, desto wichtiger und wertvoller wird die speicherbare Schweizer Wasserkraft.

  • Die wohl spektakulärste Idee des Professors: Der Rhonegletscher schmilzt. Ein neuer See ist im Entstehen. Mit dem Bau einer nur 38 Meter hohen Staumauer kann man einen Stausee mit einem Volumen von insgesamt 45 Millionen Kubikmetern schaffen.
    Damit man dieses Bauwerk von Gletsch VS aus nicht sieht, würde die angedachte Schwergewichtsmauer mit dem weltweit ersten künstlichen Gletscher kaschiert. Um so gleichzeitig eine Touristenattraktion für das beginnende Postgletscher-Zeitalter zu schaffen.

Wird der Spassfaktor zu einer zusätzlichen Triebfeder des ökologischen Umbaus? Vielleicht.

work, 16.03.2017