Wir alle werden älter. Zwar sterben Bauarbeiter früher als evangelische Pfarrherren und Manager. Alle werden sie aber älter als früher. Das Gleiche gilt für reiche Frauen beziehungsweise Rentnerinnen mit kleinen und mittleren Einkommen. Selbst vor dem Tod sind wir nicht gleich.
MEHR WERBUNG ALS FORSCHUNG. Die Medizin macht Fortschritte. Leider zu wenige. Mit ein Grund: Die Pharmafirmen geben weltweit mehr für Werbung aus als für die Forschung. Die zu teuren Medikamente können sich – weltweit gesehen – nur die reichen Länder leisten.
Hunderte von Millionen Menschen hungern weltweit. Und haben keine Arbeit. Viele von ihnen würden noch so gerne die Alten und Pflegebedürftigen der reichen Länder pflegen. Sei es in ihrer oder in unserer Heimat. Dazu wird es absehbar nicht kommen.
Stattdessen lässt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Roma aus Frankreich vertreiben. Und Libyens Staatschef Muammar Ghadhafi sperrt im Kampf gegen den Flüchtlingsstrom seine südliche Grenze im Interesse der Festung Europa.
URBANER ROBOTER IURO. Gibt es deshalb in den nächsten Jahrzehnten personalseitig einen Pflegenotstand? Oder schafft dieser Sektor jene Arbeitsplätze, die in der Industrie verloren gehen? Oder bringt uns der technische Fortschritt eine rosigere Zukunft? Niemand weiss alles, und alles ist komplex. So weit, so unklar.
Dies hindert Europa nicht daran, die Entwicklung von Pflegerobotern zu fördern. An die Arbeit gemacht haben sich die Technische Universität München (TUM), die ETH Zürich, die Universität Salzburg, das Swedish Royal Institute of Technology und die polnische ACCREA, ein Spin-off- Unternehmen der TUM. Sie zusammen bilden eine Forschungsgruppe.
Der noch 160 Kilo schwere interaktive urbane Roboter Iuro soll unsere Sprache und Mimik verstehen. Und uns im Alter antworten, freundlich anlächeln oder auch mal mit uns schmollen. Er wird – wenn wir den Entwicklern glauben – für uns kochen, die Betten machen, Staub wischen und die Medikamente in der Apotheke holen. Dies 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr.
SELBSTBESTIMMTES LEBEN? Die Münchner Forscher Kolja Kühnlenz und Dirk Wollherr sind ganz begeistert: «Mit diesen Robotern wird man wie mit anderen Menschen umgehen können. Man wird sie etwa losschicken, um lebensnotwendige Dinge zu besorgen. Sie werden ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglichen. » Fragt sich nur: Wer bestimmt in der Welt der zunehmenden Entfremdung wen?
http://3.ly/ftdiuro Die «Financial Times Deutschland» ist vom Pflegeroboter Iuro hell begeistert.
http://3.ly/duiuro Für gewisse Forscher ist der Iuro ein «Roboter wie du und ich». Charlie Chaplin und sein Film «Modern Times» lassen grüssen.
http://3.ly/mmiuro Auf dem Industrieportal Maschinenmarkt ist vom «humanoiden Roboter» die Rede.
www.iuro-project.eu Auf der offiziellen Website dieser Forschungsgruppe geht es etwas nüchterner zu und her.
http://3.ly/ksiuro Im Internet beginnt die Debatte. So auch auf der Site www. krankenschwester.de.
http://3.ly/marxiuro Für die Freunde der Lehren von Karl Marx ein kleiner Exkurs zum Problem von konstantem und variablem Kapital. Und somit von Pflegerobotern und Pflegenden bei der Verwertung des Kapitals im Gesundheitssektor.
work, 26.08.2010


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