Ratgeber
Social-Media-Apps von Jugendlichen: Wir stellen die wichtigsten Plattformen vor

Sie benutzen Facebook? Dann müssen wir Ihnen leider mitteilen: Sie gehören zum alten Eisen. Teenager sind auf ganz anderen Kanälen unterwegs. Doch welche sind das, und wie werden sie genutzt? work fragte bei Mia (15) nach und stellt die sechs beliebtesten Apps von Jugendlichen vor.

WAS MACHEN DIE DENN DA? Die 15jährige Mia erklärt work, welche Apps sie und andere Jugendliche nutzen. (Foto: Getty Images)

TikTok

Die Videoplattform ist einer der beliebtesten Kanäle von Jugendlichen und Angstgegner vieler Eltern. Die Videos dürfen maximal 10 Minuten lang sein, die meisten haben eine Dauer von 20 bis 30 Sekunden. Ein Algorithmus bestimmt, was den Nut­zerinnen und Nutzern auf ihrer ­persönlichen «For you»-Seite vorgeschlagen wird. Dieser wird durch Likes, Teilen von Beiträgen und der Zeit, die man bei einem Video verbleibt, mit Informationen gefüttert.

Der Vorteil: Mit der Zeit werden nur noch Videos vorgeschlagen, die einen interessieren. Der Nachteil: Wer neue Inhalte oder neue Influencerinnen und Influencer kennenlernen will, muss dem Algorithmus aktiv entgegenwirken und nach neuen Inhalten suchen. «Tiktok kann sehr spannend und informativ sein, man sollte aber auch nicht einfach alles glauben», sagt Mia. «Oft wird eher oberflächliches Wissen verbreitet, das ein falsches Bild auf die Situation wirft.»

Die 15jährige benutzt Tiktok täglich, und hätte sie beim Handy keine Zeitbegrenzung, würde sie wesentlich mehr Zeit auf dem Kanal verbringen. «Die Suchtgefahr ist auf jeden Fall da.» Sie selbst veröffentlicht keine Videos. Gut findet Mia, dass neben lustigen und unterhaltsamen Inhalten auch ernste Themen wie zum Beispiel Frauenrechte, psychische Erkrankungen oder Mental Health eine Plattform bekommen.

Ich bin sicher, dass meine Generation besser über solche Themen aufgeklärt ist und gerade mit psychischen Erkrankungen ­offener umgeht als die Generation vor mir – auch dank Tiktok.

YouTube

Auf dem Videoportal können Clips bewertet und kommentiert sowie Kanäle abonniert werden. Neben den «regulären» Videos gibt es die Youtube-Shorts: Kurzvideos ähnlich wie bei Tiktok und Instagram. «Ich ­scrolle hin und wieder durch die Youtube-Shorts, schaue mir aber auch Videos von Content Creators an, die ich abonniert habe», sagt Mia. Dar­unter seien vor allem Vlogs (Videoblogs), Gaming-Videos und DIY-Filme. Auf Youtube seien die ­Kommentare unter den Videos wichtig, auf dieser Ebene passiere sehr viel Informatives, allerdings auch viel Hate. Wer danach suche, finde auf Youtube viel Lehrreiches wie Dokumentationen. Sie selbst nimmt den Kanal aber vor allem als Unterhaltungsmedium wahr.

Snapchat

Über Snapchat kann man Freunden – befreundet ist man, sobald man sich gegenseitig «geadded» hat – Bilder (Snaps) schicken, ihnen ­schreiben oder sie anrufen. Wer sich gegenseitig täglich ein Bild schickt, bekommt eine sogenannte «Flamme». Ziel ist es, mit mehreren Personen möglichst viele Flammen zu erreichen. Wird ein Snap von der Empfängerin geöffnet, wird er nach ein paar Stunden automatisch gelöscht. Neben den Flammen gibt es den Snap­score, die Anzahl jemals gesendeter und erhaltener Snaps. «Alle möchten einen möglichst hohen Snapscore haben», sagt Mia. Wer mag, schaltet die Snapmap ein: Bei jedem Einloggen in der App wird der eigene Standort registriert, und die Freunde können sehen, wo man sich gerade befindet. «Ich mache meinen Standort nie öffentlich, das ist mir eher unheimlich», sagt Mia. Snapchat habe für sie keinen Informationswert. «Es ist eine Spielerei und eine Möglichkeit, mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu kommen oder zu bleiben.» Mia selbst nimmt nur Anfragen von Menschen an, die sie zumindest vom Sehen her kennt.

Ich kenne einige, die unbekannte Personen akzeptierten und danach unangemessene Fotos erhielten. Da muss man aufpassen.

Instagram

Die Bild- und Videoplattform wird von Menschen jeden Alters genutzt, wobei ab Ü 30 wahrscheinlich eher die Fotos interessieren und bei Jüngeren eher die Videos im Fokus stehen. «Ich verwende Instagram ähnlich wie Tiktok und scrolle durch die Videos, die mir vorgeschlagen werden. Gefällt mir ein Video, leite ich es an Freundinnen und Freunde weiter», erzählt Mia. Die Jugendliche folgt Influencerinnen und Influencern, die sie gut findet, und schaut sich ihre Stories an. Zum Teil sind die Videos bei Instagram und Tiktok identisch. So sei Instagram eine Ergänzung zu Tiktok, aber für sie weniger wichtig. «Tiktok ist für mich die gehaltvollere Plattform. Bei Instagram werden mir mehr Oberflächliches und viele Fremdschämvideos gezeigt.»

Twitch

Anders als Youtube besteht die Streamingplattform Twitch ausschliesslich aus Livestreams, beliebt vor allem unter Gamern und ihren Fans. Streamerinnen und Streamer gehen live, während sie zum Beispiel Fortnite oder Minecraft spielen. Die meisten zeigen während des Livestreams ihren Bildschirm, während eine Kamera auf sie selbst gerichtet ist. Im Chat kann live mitdiskutiert werden, der Streamer reagiert fortlaufend dar­auf. Mit «Subgifts» können Fans ihre Game-Idole unterstützen. Man gibt ein Sub (etwa 4 Franken), schreibt etwas dazu, was vom Beschenkten manchmal vorgelesen wird. Viele Gamer gehen über Twitch live und veröffent­lichen danach auf Youtube eine ­geschnittene Version der Twitch-Aufnahme. «Bei Twitch sind Gamerinnen und Gamer unter sich», sagt Mia. Für sie selbst sei es reine Unterhaltung.

Die Videos sind öffentlich, es gibt aber die Möglichkeit, Zuschauende zu bannen, also zu melden und zu blockieren.

Neben Gaming-Videos gibt es auch IRL-Videos (In Real Life): Man streamt, was man gerade macht. Streamer treffen sich zum Beispiel am Weihnachtsmarkt und teilen es live mit ihrer Community.

BeReal

Die App ist eine Spielerei unter Freunden, die sich in der Regel persönlich kennen: Nutzerinnen und Nutzer machen zu einem von der App bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig ein Bild mit ­ihrer Vorder- und Rückkamera und veröffentlichen es. «Du hast zwei Minuten Zeit, ein Bereal zu posten», heisst es dann. «Wenn ich es in dieser Zeit schaffe, ist es ein Bereal, wenn ich zu spät bin, heisst es Belate.» Das sei lustig und unterhaltend, sagt Mia, werde aber auch schnell langweilig, weil Zusatzfunktionen, wie sie etwa Snapchat biete, fehlten. Deshalb sei Bereal eine App, die von vielen nur phasenweise benutzt werde.

work-Tipp: Wissen für Eltern

Wie werden Kinder und Jugend­liche am besten an die sozialen Netzwerke herangeführt? Wie viel ­Freiraum, wie viel Begleitung ­brauchen sie? Und wo liegen die Gefahren? Pro Juventute hat ­wichtige Tipps und Hinweise zum Thema digitale Medien und Heranwachsende zusammengestellt und führt regelmässig Onlineveranstaltungen für Eltern durch. Mehr ­Info hier.


Apps & Co.Was kam wann?

Manche Social-­Media-Plattformen sind so bekannt, dass wir das Gefühl haben, es gebe sie schon ewig. ­Dabei sind einige noch recht jung:

Tiktok: Die App für Kurzvideos gibt es seit 2016. Sie wird vom chinesischen Unternehmen Beijing Bytedance Techno­logy Ltd. betrieben.

Youtube: Das Videoportal ist die älteste der hier vorgestellten Plattformen und ­wurde 2005 gegründet. Seit 2006 gehört sie zu Google.

Snapchat: Die App Snapchat wurde 2011 in Los Angeles gegründet. Seit 2016 heisst das Unternehmen Snap Inc. (vorher Snapchat Inc.).

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